Juli 2, 2024

Tiergestützte Therapie: wie "Yuno" mit schwerst- und mehrfachbehinderten Menschen arbeitet

Bei unserer Beschäftigten Jaqueline Richter geschehen gerade zwei bemerkenswerte Dinge: Sie fixiert „Yuno“, der auf Kommando seiner Trainerin Johanna Unnewehr die Vorderpfoten auf ihren Schoß legt und dort über eine Minute ruhig verharrt. Dabei beginnen sich zwei Finger ihrer verkrampften rechten Hand zu lösen. Ja, das geschehe jetzt jedes Mal und sei schon ein toller Fortschritt, sagt Johanna. „Yuno“ heißt ihr dreijähriger Rüde. Ein lieber, feinfühliger Therapiehund, mit dem seine Trainerin zwei Jahre intensiv gearbeitet hat. Heute darf sie sich Fachberaterin für tiergestützte Therapie und „Yuno“ Therapiehund für Menschen mit geistiger Behinderung nennen. Woche für Woche, immer freitags von zehn bis elf Uhr, sind die beiden in den Ledder Werkstätten, in unserem Arbeitsbereich für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen (AB SMB) in Ledde.

Therapieformen wie diese kosten natürlich, sind aber auch sehr effektiv. Jaqueline ist 29 Jahre alt und hat eine starke Bewusstseinseinschränkung. Erhebliche Anteile ihres Alltags drehen sich um Pflege; sie benötigt eine intensive Begleitung durch unsere Fachkräfte in ihrem gesamten Tagesablauf. 2019 kam die Ibbenbürenerin als Teilnehmerin in unsere Berufliche Bildung, direkt in den AB SMB. Über ein Jahr kommt „Yuno“ nun schon hierher. Und die Fortschritte, die Jaqueline macht, mögen für den Laien winzig sein – für die junge Frau sind sie riesengroß.

Wenig später bleibt „Yuno“ gelassen, als Victoria Warwarjuk ihn etwas ungestüm von oben streichelt, wo er es nicht sehen kann. Die 25-jährige Beschäftigte hat hier eine tolle Entwicklung gemacht: Selbstbewusst ist sie geworden, nimmt längst an den gemeinsamen Mahlzeiten im Bereich und für sie neuen Angeboten teil und leistet unterschiedliche Arbeiten. Zu „Yuno“ hat sich eine schöne Beziehung entwickelt, sodass sich Victoria, die alle hier nur Vicci nennen, immer sehr auf die Stunde mit ihm freut. Das sei bei Vicci schon ein großer Entwicklungssprung, berichtet die Trainerin: „Es ist schön zu sehen, was man mit Tieren erreichen kann!“

„Yuno“ stammt aus einer Zucht mit Schwerpunkt Assistenz- und Therapiehunde in Kleve und hatte im April 2023 bei uns ersten Arbeitskontakt zu Menschen mit Behinderung. Heute kennt der Labrador-Australien Sheperd-Mix alle hier. Auch Rollifahrer Stefan Mazanek, der Aktionen außerhalb des Werkstatt-Alltags mag und schon deshalb gerne dabei ist.

Für die Beschäftigte Nicole Frackowiak geht es um ein kleines Stück mehr Interaktion. Autistische Züge lassen sie unruhig umherwandern, doch „Yuno“ schafft es, dass sie eine Zeit lang sitzen bleibt. Einige Freitags-Einheiten vergingen, da durfte er sich auf ihren Schoß setzen und sich seinen Minikeks holen. Das geschieht gerade, und Nicole lächelt. Ein Ausdruck von Zufriedenheit.

Genau eine Stunde schafft der Rüde, der hoch konzentriert arbeitet und tatsächlich – da ist sich Johanna ganz sicher – jeden und jede einzelne wiedererkennt. „Yuno“ ist nun einfach platt, weshalb es für ihn und seine Trainerin zurück nach Glandorf, zur Hundeschule „Humani“, geht, die gut ausgebildete Therapie- und Assistenzhunde für alle mögliche Einsätze anbietet. Dort arbeitet die 31-jährige gelernte Erzieherin seit vier Jahren und ist außerdem noch mit der siebenjährigen Hündin „Nana“ im Einsatz, dann allerdings bei Kindern.

Tiergestützte Therapie wirke immer noch eine Weile nach, hat die Trainerin beobachtet. Für Jaqueline zum Beispiel sei diese Stunde ein wertvoller Baustein in ihrem gesamten Therapieplan, der sehr effektiv Wahrnehmungsreize setze. Überzeugt vom Konzept ist auch Tobias Daut als Abteilungsleitung. Den absolut barrierefreien Kontakt Mensch-Tier, die direkte Interaktion, sieht er als den einmaligen Effekt. „Das unterscheidet sich dann nochmal von der Arbeit von uns Fachkräften.“ Immer freitags sorgt sein Team für den nötigen ungestörten Bereich, damit „Yuno“ auch in Ruhe arbeiten kann.

Aktuell 120 Personen mit hohen Hilfebedarfen sind in unseren vier AB SMBs Ledde, Ibbenbüren, Saerbeck und Riesenbeck. Tiergestützte Therapie als Arbeitsbegleitende Maßnahme findet auf vielfältige Weise an diesen Standorten oder außerhalb, beispielsweise auf dem Islandpferdehof Monse in Lengerich, statt.

   

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Tag der BEgegnung am 26. Mai

"Mensch, wir zeigen´s euch!"

„Mensch, wir zeigen´s euch“: Unser bewährtes Motto ist Programm beim „Tag der Begegnung“ 2024 am Sonntag, 26. Mai. Von 10 bis 18 Uhr stellen Menschen mit Behinderung ihre Arbeit in der Werkstatt und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, die Vielfalt unserer Wohnangebote und noch einiges mehr vor. Schauen Sie ihnen über die Schulter, lassen Sie sich von unseren Mitarbeiter:innen informieren. Oder genießen Sie einfach unser kleines Bühnenprogramm.

Hinweisgeberportal

Das deutsche Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG) ist am 2. Juni 2023 im Bundesgesetzblatt verkündet worden und tritt am 2. Juli 2023 in Kraft. Das Gesetz ermöglicht es hinweisgebenden Personen, sogenannten Whistleblowern, einfacher und ohne Angst vor Repressalien auf Rechts- und Regelverstöße in Unternehmen und Behörden aufmerksam zu machen. Unternehmen ab 250 Mitarbeiter:innen müssen bis zum 2. Juli 2023 die Anforderungen aus dem Hinweisgeberschutzgesetz umsetzen und eine Meldestelle einrichten.

Weitere Informationen zum Hinweisgeberschutzgesetz

Hier finden Sie unser Meldeportal

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