Juli 20, 2023

Selbstbehauptung / Teil 2: Franziska Frese besucht unseren ersten Wendo-Kurs

Franziska Frese ist eine junge, selbstbewusste Frau aus Hörstel mit verschiedenen körperlichen Einschränkungen, die ihre normale Berufsausbildung erschweren. Im November 2021 kam sie in unseren Berufsbildungsbereich. In ihrem ersten Jahr hat sie dort Montage- und Textilarbeiten kennengelernt und dabei für sich festgestellt, dass sie anspruchvollere Arbeit braucht. An dieser Stelle kam Dirk Wittkamp von unserem Fachdienst Berufliche Inklusion ins Spiel und organisierte Praktika innerhalb unserer Verwaltung

Franziska verbrachte ein halbes Jahr in der Bau- und Liegenschaftsabteilung, im Einkauf und der Arbeitsvorbereitung. Anschließend fasste sie ein neues Ziel ins Auge: „Ich möchte eine Ausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt machen!“ Das zweite Jahr ihrer Beruflichen Bildung investiert sie nun in weitere Betriebspraktika und ist aktuell in der Öffentlichkeitsarbeit. Für unsere Webseite hat sie eine echte Premiere besucht: den allerersten LeWe-Wendo-Kurs für Frauen mit Behinderung. Wie hat die 22-Jährige diese zwei intensiven Tage erlebt?

„Mein Name ist Franziska Frese. Ich bin jetzt im zweiten Jahr der Beruflichen Bildung. Wenn es klappt, würde ich ab 2024 sehr gerne eine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement machen.

Der Wendo-Selbstbehauptungskurs hat am 18. und 19. Juli in der Ledder Therapiehalle stattgefunden. Zehn Frauen von überall her aus den Ledder Werkstätten mit geistigen oder psychischen Behinderungen waren dabei. Wendo ist eine Selbstbehauptungs- und Verteidigungstechnik und kam in 1970er Jahren aus den USA und Kanada nach Europa. Die Technik ist für alle Frauen und Mädchen gedacht, aber in diesem Fall speziell für Menschen mit Behinderung.

Wendo ist ein weiterer Baustein in unserem neuen Gewaltschutzkonzept. Im Kurs geht es um Selbstbehauptung und Selbstverteidigung und Ulla Berief war unsere supertolle Trainerin. Eigentlich arbeitet sie in der Frauenberatungsstelle Beckum. Dort kommen zurzeit etwa 400 Frauen öfters vorbei, wenn Sie Probleme haben. Ulla hat eine Ausbildung in Köln gemacht, weil Sie gerne mit Frauen mit Behinderung zusammenarbeitet. Von Beruf ist sie Verwaltungsfachangestellte.

Unsere Frauenbeauftragten Bianka Holtmann und Rolla Saleh haben den Kurs organisiert. Rolla setzt sich sehr für Gleichstellung und Gewaltschutz ein und kümmert sich um die individuellen Wünsche der weiblichen Beschäftigten. Sie hat einen Außenarbeitsplatz in einer Ibbenbürener Firma und ist zwei Tage in der Woche hier. Die Frauenbeauftragten hatten im Frühjahr auch die Idee, in jeder Damentoilette Hygienespender aufzuhängen, damit alle Frauen dort einfach das Erforderlichste zu Verfügung haben.  

Im Kurs gab es als erstes eine Vorstellungrunde. Ulla hat uns Teilnehmerinnen gefragt, ob wir schon mal in so einem Kurs waren. Danielle und Rolla hatten das schon mal erlebt, aber für die anderen und auch für mich war das etwas ganz Neues. Deswegen war ich sehr gespannt, was auf mich zukommt.

Wir haben gelernt, wie man sich behaupten kann und wie man sich wehrt, welche Werkzeuge für die Verteidigung eine Frau an ihrem Körper hat und wie man sich selbstbehauptender ins Leben stellt. Ulla erklärte uns: „Wichtig ist, wenn euch jemand blöd kommt, die Meinung zu sagen und aufs dritte Auge, also zwischen die Augen, zu gucken.“

Ich finde, das ist eine gute Alternative, wenn man sich nicht traut, einer Person in die Augen zu gucken. Wir haben gelernt, selbstsicherer auf andere zuzugehen und man wird auch beim Verteidigen mutiger.

Wenn wir als Frauen keine andere Möglichkeit mehr haben, uns zu verteidigen, müssen wir versuchen, durch Schreien oder den Taschenarlarm Aufmerksamkeit bei fremden Personen zu erzeugen und dann zu fliehen. Wir durften auf Boxpratzen schlagen und treten. Danach haben wir uns besser und selbstsicherer gefühlt und konnten auch Wut rauslassen. Wir haben gelernt, unsere eigene Grenze zu setzen und wenn die erreicht ist, „Stopp“ zu rufen. Dadurch weiß nun jede Teilnehmerin, wo ihre Grenze ist und jeder andere muss diese Grenze akzeptieren!

Für mich war es schön, dass wir am Ende des Kurses stolz auf uns selbst sein konnten und dass wir die zwei Tage gemeinsam geschafft haben. Zum Abschluss hat Ulla gesagt: „Man darf sich immer wehren, wenn es nötig ist.“ Ich habe gelernt, dass ich trotz meiner Behinderung selbstbewusst auftreten kann. Ich habe zwar keine laute Stimme, aber wir alle haben von Ulla den ziemlich nervig piependen Taschen-Alarm bekommen.“

Vielen Dank für ihre Anfrage. 

Wir melden uns schnellstmöglich bei Ihnen für ein Beratungsgespräch.

Viele Grüße,
Ihr Team der Ledder Werkstätten

Nachmittag der offenen Tür

Unser Berufsbildungsbereich lädt ein

Unser Berufsbildungsbereich am Ruthemeiers Esch 2 in Ladbergen lädt am Freitag, 20. Oktober, zum Nachmittag der offenen Tür ein. Von 15 bis 18 Uhr stellen sich unsere Bildungsbegleiter:innen vor. Der Fachdienst berufliche Inklusion informiert über die vielfältigen Wege in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Und wir zeigen Ihnen unsere Angebote für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen.

Hinweisgeberportal

Das deutsche Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG) ist am 2. Juni 2023 im Bundesgesetzblatt verkündet worden und tritt am 2. Juli 2023 in Kraft. Das Gesetz ermöglicht es hinweisgebenden Personen, sogenannten Whistleblowern, einfacher und ohne Angst vor Repressalien auf Rechts- und Regelverstöße in Unternehmen und Behörden aufmerksam zu machen. Unternehmen ab 250 Mitarbeiter:innen müssen bis zum 2. Juli 2023 die Anforderungen aus dem Hinweisgeberschutzgesetz umsetzen und eine Meldestelle einrichten.

Weitere Informationen zum Hinweisgeberschutzgesetz

Hier finden Sie unser Meldeportal

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